Die Zitierhäufigkeit widerspiegelt die Resonanz, die eine Publikation in der Fachöffentlichkeit hervorgerufen hat. Die zeitliche Verteilung der Zitationen zeigt darüber hinaus, wie schnell die jeweiligen Forschungsergebnisse Eingang in die wissenschaftliche Kommunikation gefunden haben. In der Regel werden Publikationen erst ein bis zwei Jahre nach deren Veröffentlichung in nennenswertem Mass zitiert und erreichen nach drei bis fünf Jahren ein Maximum, das dann mehr oder weniger langsam abflacht oder über mehrere Jahre hinweg anhält (Marx & Schier, 2001). Die zeitliche Verteilung der Zitationen kann sich jedoch von Publikation zu Publikation und von Fachgebiet zu Fachgebiet stark unterscheiden (siehe Abbildung 1). In seltenen Fällen wird die Bedeutung einer Publikation erst viele Jahre oder sogar Jahrzehnte nach deren Veröffentlichung erkannt (siehe Abbildung 2). Solche Publikationen, die über einen längeren Zeitraum kaum Beachtung finden und nach zehn oder mehr Jahren plötzlich hoch zitiert werden, sind jedoch die Ausnahme (Glänzel, Schlemmer, & Thijs, 2003; siehe auch van Raan, 2004). Die meisten Publikationen werden kaum oder nie zitiert.
Abbildung 1. Die zeitliche Entwicklung der pro Jahr erhaltenen Zitationen unterscheidet sich von Publikation zu Publikation. Hier am Beispiel von zwei Publikationen von F. Diederich - Chemieprofessor an der ETH Zürich - und Mitarbeiter, die beide im Jahre 1994 veröffentlicht wurden.
Abbildung 2. Zeitliche Verteilung der Zitationen einer Publikation von A. Einstein, B. Podolsky und N. Rosen aus dem Jahre 1935. Die Publikation wurde bis in die 1970er Jahre kaum zitiert, findet seit Anfang der 1990er Jahre in der physikalischen und philosophischen Literatur jedoch grosse Beachtung (vgl. Marx & Schier, 2001).
Literatur:
Dandliker, P.J., Diederich, F., Gross, M., Knobler, C.B., Louati, A., Sanford, E.M. (1994). Dendritic porphyrins - Modulating redox potentials of electroactive chromophores with pendant multifunctionality.
Angewandte Chemie International Edition, 33(17), 1739-1742.
Diederich, F. (1994). Carbon scaffolding - Building acetylenic all-carbon and carbon-rich compounds.
Nature, 369, 199-207.
Einstein, A., Podolsky, B., & Rosen, N. (1935). Can quantum-mechanical description of physical reality be considered complete?
Physical Review, 47(10), 0777-0780.
Glänzel, W., Schlemmer, B., & Thijs, B. (2003). Better late than never? On the chance to become highly cited only beyond the standard bibliometric time horizon.
Scientometrics, 58(3), 571-586.
Marx, W., & Schier, H. (2001). Zitierungszahlen - Eine Messlatte zur Bewertung von Forschungsqualität?
Physikalische Blätter, 57(10), 25-29.
van Raan, A. F. J. (2004). Sleeping beauties in science.
Scientometrics, 59(3), 467-472.