Ein Recherche-Beratungsgespräch fängt oft so an, dass ein Benutzer kommt und fragt, ob es denn in der Politologie “auch” einen Rechercheeinstieg, eine Quelle gibt, in der man
“alles” finden kann. Wenn man nach dem Erfahrungshintergrund/Vergleichshorizont fragt, sind es oft Geographen und Wirtschaftswissenschaftler, welche entsprechend unfangreiche Datenbanken benutzen. Da kann man nur neidisch sein, dass diese Wissenschaften ihre Ressourcen offensichtlich so gebündelt haben, dass der Eindruck entsteht, man könne mit
einer Rechercheabfrage alles zum Thema bekommen. Ein alter Traum!
Dennoch dachte man bei der Entwicklung/Förderung der
Virtuellen Fachbibliotheken, dass es Ziel der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) sei, für die einzelnen Fächer/Fachrichtungen jeweils
ein Portal zu schaffen, in dem die zur Verfügung stehenden Ressourcen gebündelt und so den Nutzern konzentriert angeboten werden können. Schon im Fach Geschichte konnte man beobachten, dass das es nicht gelang, dieses Ziel zu erreichen, da bereits bestehende Institutionen/Netzwerke es schafften, jeweils für sich gefördert zu werden. Wahrscheinlich dachte man sich bei der DFG, dass
Vascoda sowieso die Klammer über die divergierenden Angebote darstellen und den zentralen Einstieg bieten könnte. Nun ja.
In der Politikwissenschaft/Friedensforschung wurde recht früh die
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) mit der Erstellung einer
Virtuellen Fachbibliothek Politikwissenschaft beauftragt, welche auch die Sondersammelgebiete in diesen Themenbereichen betreut. Man möchte meinen, dass spätere Initiativen/Vorste auf diese bestehende (und, wenn ich so sagen darf) gut umgesetzte Institution verwiesen w?rden. Dem war nicht so, denn der Fachinformationsverbund Internationale Beziehungen und Länderkunde (FIV) war offensichtlich mit den in ihm vertretenen Think Tanks so schwergewichtig, dass er unlängst ein eigenes
Fachportal genehmigt bekam, welches zuerst unter dem Namen
Fachportal IBLK und jetzt als
IREON Portal (Internationale Beziehungen und Länderkunde Online) angeboten wird - fast ohne Aufsehen zu machen, ganz ohne Werbung.
Ebenso heimlich, still & leise erblickte
Sowiport das Licht. Wenn nicht gleichzeitig die
ViFaSoz in der Versenkung verschwunden wäre, möchte man doch meinen, dieses sozialwissenschaftliche Portal wäre neu gegründet worden. Nun, immerhin, das Angebot des Portals ist vielfältig, überschneidet sich zufällig auch mit dem von IREON und auch - ach ja, auch die ist ja noch da - mit der Datenbank
infoconnex, welche auch noch auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften angeboten wird.
Allen Angeboten ist gemein, dass sie
eine integrierte Suchoberfläche für verschiedene Quellen bieten, Quellen, die z.T. auch von anderen der genannten Rechercheportale angeboten werden. Die -Datenbank “World Affairs Online” (WAO) wird von der ViFaPol angeboten, aber auch von IREON. “Online Current Contents” (OLC)-Datenbanken findet man in der ViFaPol und auch in IREON und schließlich die umfangreichen Datenbanken
PAIS und die
Worldwide Political Science Abstracts (WPSA) sind in IREON, in sowiport und auch in infoconnex zu finden.
Vollends toll wird es, wenn diese Datenquellen unterschiedlich eingebunden sind. Infoconnex ist für einen Privatnutzer fast sinnlos, es sei denn, er meldet sich als Nationallizenzennutzer an und bindet dann die eigentlich interessanten, umfangreichen bibliographischen Datenbanken in die Suche ein. Die World Affairs Online (WAO) ist ja frei an vielen Stellen zu recherchieren (EINIRAS, ViFaPol, IREON, KVK), aber die OLC (Online Contents)-Datenbanken sind ganz unterschiedlich eingebunden: Die ViFaPol bietet die OLC SSG Politikwissenschaft wenigstens frei zur bibliographischen Suche an und man bekommt als Privatperson zumindest die Kurztitel-Ergebnisse zu sehen, anhand derer man weiterrecherchieren kann; IREON bietet lediglich einen Link zu einer verschlossenen Tür. Was will man denn auch als Privatperson wissenschaftlich recherchieren?! Wissenschaft wird scheint’s nur auf dem Hochschulcampus getrieben! Und die Forschungsdatenbanken SOLIS und SOFIS sind sowohl in Sowiport als auch in Infoconnex zugänglich.
Ein paarmal mit unterschiedlicher Suchoberfläche fast dasselbe also, welches aber immer wieder auch die (deutschen) Privatnutzer verprellt, weil die über die Nationallizenzen lizensierten Datenbanken (v.a. CSE-Datenbanken wie PAIS und WPSA) halt automatisch nur in Hochschulnetzen freigeschaltet sind und man sich erst einmal anmelden muss und dann sich über einen Anmeldevorgang hineinpfriemeln. Komfort geht anders, ich will aber gerne zugeben, dass die Nationallizenzen gut und schnell verwaltet werden und es da nicht allzuviel zu meckern gibt.
Der Normalbenutzer aber fragt sich, welchen Zugang er denn wählen soll? Gibt es irgend ein Portal, das standardmig besser ist als das andere? Ich habe mit ein paar Fragestellungen die ViFaPol, IREON und Sowiport getestet: Es ist vertrackt, je nach Fragestellung hatte ein anderes Portal die Nase vorn! Bei “democratic peace” peacebuilding brillierte die ViFaPol, bei structural violence galtung war es sowiport, “conflict management” somalia bediente klar ireon und bei der Suche nach Eintr?gen zum Politikwissenschaftler Fariborz Zelli (ein schöner Name für eine Proberecherche!) hatte sowiport die Nase vorn, weil eben auch die Forschungsdatenbanken mit eingebunden sind.
Meine Einschätzung nach mehreren Durchläufen: Die
ViFaPol sollte man auf jeden Fall berücksichtigen, weil dort bei der Metasuche noch die Ergebnisse aus der Linksammlung und aus dem Internet “on board” sind;
IREON ist wegen der Genauigkeit der Suche und vor allem bei der Suche nach Länderquellen zu berücksichtigen;
sowiport ist ebenfalls so leistungsfähig, dass man es im Grunde nicht negieren kann, will man die Sache professionell angehen ... Die Suche über
Vascoda hingegen stellt in meinen Augen dabei keine Alternative dar, schon gar keine pfiffige, weil die Anfrage nicht so spezifisch gestellt werden kann wie bei den genannten Fachinformationszugängen und die Durchsicht der zu umfangreichen Ergebnisse Zeit frißt.
Wie die Dienste
IREON und
sowiport im einzelnen konfiguriert sind, möchte ich in den nächsten Tagen eingehender darstellen. Die
Virtuelle Fachbibliothek Politikwissenschaft wurde hier bereits früher eingehend dargestellt, dem brauche ich nichts hinzuzufügen.