Zitationsanalysen sollten auf der Grundlage der Publikationslisten von Instituten, Forschungsgruppen oder Wissenschaftlern durchgeführt werden. Durch dieses Vorgehen ist gewährleistet, dass die Ergebnisse auf einer vollständigen Datenbasis beruhen und keine wichtigen Publikationen unberücksichtigt bleiben (vgl.
“top down vs. bottom up approach”).
Liegen keine Publikationslisten vor, so müssen die Publikationen wohl oder übel über den Autorenname und die institutionelle Zugehörigkeit in Web of Science oder Scopus recherchiert werden. Die Recherche der relevanten Publikationen kann nicht zu unterschätzende Probleme mit sich bringen, z.B. bei gleichnamigen Autoren oder uneinheitlicher Schreibweise der institutionellen Zugehörigkeit.
Die Autorensuche wird in Web of Science durch den “Author Finder” und in Scopus durch den “Author Identifier” unterstützt (siehe
“Web of Science und Scopus verbessern Autorensuche” und
“Author Finder - Neue Autorensuche in Web of Science und Current Contents Connect”). Beide Funktionen versprechen, automatisch zwischen gleichnamigen Autoren zu unterscheiden und Variationen von Autorennamen zu erkennen. Mit mehr oder weniger überzeugendem Ergebnis. Kürzlich hat Scopus den “Affiliation Identifier” eingeführt, eine Funktion, welche die Suche nach Publikationen einer bestimmten Institution vereinfachen soll. Wer wie ich keinen Zugang zu Scopus hat, kann sich anhand der Bildschirmfotos unter
http://www.info.scopus.com/affiliationidentifier ein Bild von der neuen Funktion machen.
Verschiedentlich wurde die Einführung einer eindeutigen Identifikationsnummer sowohl für Wissenschaftler als auch für Institutionen angeregt. Thomson Scientific hat dieses Anliegen mit
ResearcherID.com aufgenommen. ResearcherID.com teilt Wissenschaftlern auf Anmeldung eine eindeutige Identifikationsnummer zu. Auf der Plattform kann ein persönliches Profil eingerichtet und eine Publikationsliste erstellt werden. Die Publikationen können in Web of Science recherchiert (für Angehörige von Institutionen, die Web of Science subskribiert haben) oder über eine Datei im RIS-Format importiert werden. Für die Publikationen, welche in Web of Science erfasst sind, werden bibliometrische Indikatoren wie durchschnittliche Zitierhäufigkeit und h-Index bestimmt. Sowohl die Angaben im Profil als auch die Publikationsliste sind nach Wunsch öffentlich (un)sichtbar.
Für die Suche in ResearcherID.com ist keine Registrierung notwendig. Die Suche nach Wissenschaftlern kann nach Identifikationsnummer, Name, Institution oder Stichwörtern erfolgen.
Ob sich die Publikationslisten von ResearcherID.com für Zitationsanalysen eignen, ist fraglich. Bei
ISIHighlyCited.com - einer Datenbank, welche für jedes Fachgebiet die 250 meistzitierten Wissenschaftler benennt - habe ich die ungenügende Aktualität der Publikationslisten kritisiert (siehe
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer wird am häufigsten zitiert im ganzen Land?). Offensichtlich macht nur ein Teil der Wissenschaftler von der Möglichkeit, die eigene Publikationsliste zu aktualisieren und zu ergänzen, regelmässig Gebrauch. Bei ResearcherID.com wird das nicht viel anders sein.
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